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Flugmuseum Messerschmitt Blog

Blog Beiträge des Flugmuseum Messerschmitt

Reisen durch die Zeit

Reisen durch die Zeit

Eurofighter-Testpilot Geri Krähenbühl wechselt regelmäßig das Tempo. Als Projektpilot des Flugmuseums Messerschmitt in Manching darf er in seiner Freizeit die Me 262 fliegen, das erste in Serie gebaute Düsenflugzeug der Welt.

 

Stellen Sie sich vor, Sie fliegen das modernste Kampfflugzeug der Welt – mit Spitzentechnologie an Bord und doppelter Schallgeschwindigkeit. Dann steigen Sie vom Eurofighter in das Cockpit eines 70 Jahre alten Kampfjets um – und fühlen sich wie auf einer Zeitreise. So jedenfalls muss sich Geri Krähenbühl fühlen. Wenn der 50-jährige Testpilot von Airbus Defence and Space nicht im Cockpit eines Eurofighter am Himmel über dem Militärischen Luftfahrtzentrum in Manching sitzt, fliegt er für das Flugmuseum Messerschmitt eine historische Messerschmitt Me 262.

„Die Me 262 ist etwas ganz besonderes“, schwärmt er. Das in den 1940er-Jahren in Deutschland entworfene und produzierte Flugzeug war das erste einsatzfähige Düsenflugzeug der Welt. „Es hat die Luftfahrt verändert. Mit seinem Axialkompressor war es seiner Zeit weit voraus.“ Krähenbühl, selbst auch Ingenieur, beeindruckt dieser Aspekt immer wieder. Als Projektpilot ist er dafür zuständig, die Me 262 aus Pilotensicht in Schuss zu halten. Gemeinsam mit einem Kollegen fliegt er die Maschine auf Flugshows in Deutschland und im Ausland.

Nur zehn Originalmaschinen sind noch erhalten, aber keine ist in flugfähigem Zustand. Krähenbühls Me 262 ist ein Nachbau, der mit Unterstützung der Messerschmitt Stiftung in den USA entstanden ist. Da keine vollständigen Konstruktionspläne mehr vorhanden waren, wurde eine in den USA ausgestellte zweisitzige Maschine demontiert und kopiert. Krähenbühl stieß 2010 zu dem Projekt, als einer der älteren Piloten den Stab an einen jüngeren Kollegen weiterreichen wollte. 

Eine einmalige Chance: „Als sie mich ansprachen, war ich seit fünf Jahren in Manching und ergriff die Gelegenheit kurzerhand beim Schopf. Das ist der Traum jedes Testpiloten – nach einer kurzen Einführung ein vollkommen neues Flugzeug fliegen.“ Bei der Vorbereitung hätte der Kontrast zu seinem Hauptberuf nicht stärker sein können. Doch als erfahrener Pilot wusste er, was zu tun war: „Man tastet sich schrittweise vor“, erläutert er. „Fahrwerk einziehen, Geschwindigkeit erhöhen, verschiedene Manöver fliegen, um ein Gefühl für die Maschine zu bekommen.“

Abgesehen von dem unglaublichen Lärm im Cockpit ist die Flugsteuerung der größte Unterschied. „Zwischen der Me 262 und der digitalen Flugsteuerung des Eurofighter liegen Welten“, sagt er. „Dort verhindern Computer eine Überlastung des Flugwerks. In der Me 262 liegt alles am Piloten, er muss lauschen. Das Flugwerk spricht buchstäblich mit ihm – man kann hören, ob es der Me 262 zu viel wird. Wenn man einen Fehler macht, bekommt man sofort eine Rückmeldung.“

Zu ihrer Zeit war die Me 262 buchstäblich unerreicht: Mit 1.000 Kilometern pro Stunde konnten Propellerflugzeuge sie nicht einholen. Die Maschine von Krähenbühl erreicht nur 600 km/h – gemessen an modernen Überschalljets nicht viel. „Der Eurofighter ist natürlich aufregend“, sagt Krähenbühl, „aber in der Me 262 ist man ganz auf seine Sinne und sein eigenes Urteil angewiesen. Ich habe sie seit dem ersten Flug ins Herz geschlossen.“

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Das fliegende Museum

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