FAKTEN

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Name Felix Döllefeld. // Jahrgang 1969. // Beruf Pilot. // Fliegt seit 1987. // Typen Airbus Familie 319/320/321 und Airbus 330/340 seit 1997 derzeit als Kapitän bei der Lufthansa Passage auf Airbus 330/340 eingesetzt. Privat-Piloten Lizenz für den Motorflug, Motorsegler und Segelflug // Gesamtflugstunden bis 2014 ca. 10.500 h. // Besondere Erfahrungen Strahlflugzeugführerausbildung bei der Luftwaffe Euro Nato Joint Jetpilot Training in Wichita Falls /Texas auf Cessna T37 und Northrop Talon T38 Class 93-07. Alpha Jet Typrating in Fürstenfeldbruck 1994

INTERVIEW

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Für welche Messerschmitt Museumsflugzeuge sind sie derzeit eingesetzt, in welcher Funktion. Welche Aufgabe haben sie im Betrieb. Ich bin als Projektleiter und Fachberater für diverse Projekte eingesetzt. Derzeit betreue ich das Projekt „Cockpit Umbau Me 108“. Die Vorgabe der Messerschmitt Stiftung ist die Umgestaltung des Cockpits in einen originalen Zustand mit der technischen Ausstattung des 21. Jahrhunderts für den CVFR/Tag Einsatz. Zusätzlich der Einbau eines modernen Glascockpit, dass am Boden hinter 2 Klappen aus dem Blickfeld verschwindet. Im originalen Cockpit der 30er Jahre waren 2 Staufächer für Kartenmaterial bereits vorgesehen. Diese haben wir etwas verbreitert und ermöglichen dadurch, dass am Boden der originale Eindruck entsteht und in der Luft mit der modernsten Avionik navigiert werden kann. Gerade die metrischen Instrumente wie Fahrt- und Höhenmesser bedingten eine Umstellung auf Knoten und Fuß Skalierung. Ebenso ist die Ersatzteillage der originalen Instrumente in Zukunft nicht unbedingt sichergestellt und bedingt dadurch diese Symbiose „alt und neu“ in einem Cockpit. Zu den technischen Highlights dieses Umbaus zählt zweifelsohne der Einbau eines modernen Verkehrswarnsystems für den Verkehr in unmittelbarer Nähe (wir fliegen schließlich mit einem Flugzeug mit Tarnanstrich!) und ein Engine Monitoring System zur Überwachung des kostbaren Argus AS 10 C Motors. // Wie kamen sie zu ihrer Aufgabe im Flugmuseum Messerschmitt? Durch meinen Vereinsfreund Hans Becker. Er erzählte mir, dass er in dem Flugmuseum Messerschmitt am Flugplatz Manching als Mechaniker und Pilot der Me108 arbeitet. Als ich ihn einmal dort besuchen durfte war mein Interesse vollends geweckt und ich habe mich um die Aufnahme ins Team beworben. Ich durfte noch sehr viel von seinem enormen Erfahrungsschatz lernen. Hans verstarb leider im Oktober 2013. // Was macht für Sie den Reiz aus an den Messerschmitt Flugzeugen zu arbeiten? Neben der Technik der 20-50er Jahre bekomme ich einen Einblick in die Flugzeuge, die mein Großvater schon geflogen hat. Er war es schließlich auch, der mein Interesse an der Fliegerei überhaupt erst geweckt hat. Mein Großvater war Jagdflieger seit 1942 beim JG 54/9. Auf der Me 109 und der FW 190 eingesetzt und flog als Einflieger bei den AGO Flugzeugwerken in Oschersleben bis zum Kriegsende auch die Me 262. Für mich schließt sich mit meiner Arbeit im Museum ein sehr persönlicher „Kreis“. // Empfinden Sie bei Ihrer Arbeit an den Flugzeugen den Pioniergeist und erkennen Sie die Ingenieurleistungen der Zeit der 20er bis 50er Jahre? Das kann man exakt so sagen. Im Umgang mit der Technik „begreift“ man sprichwörtlich die großartigen Ingenieurleistungen. Besonders fasziniert mich die Weitsicht, mit der damals schon bei der Entwicklung gearbeitet wurde. Viele Systeme beweisen ihre Tauglichkeit noch heute, fast 80 Jahre nach ihrer Herstellung. // Was empfinden Sie, wenn Sie heute an den Maschinen arbeiten? Ich bin sehr stolz diesem Team angehören zu dürfen. Ich kann durch meine Technikkollegen einen Einblick in den Teil der Luftfahrt erhalten, der mir in meiner Pilotenausbildung leider in diesem Maße nicht vermittelt werden konnte. Ein wahrer Blick über den Tellerrand in die Flugzeugentwicklung, als Kapitän eines der modernsten Passagierflugzeuge der heutigen Zeit. Oft ist es eine kleine Zeitreise, wenn man in einem unserer Lager nach Ersatzteilen sucht. // Wie unterscheiden sich die Technikerarbeiten bei den heutigen modernen Maschinen von den Originalen bzw. Nachbauten der Messerschmitt Flugzeuge? Gerade beim Projekt Me 108 Cockpitumbau fällt auf, mit welch einfachen Mitteln schon damals beständige Technik entwickelt werden konnte. Man muss sich einmal vorstellen. Sie schließen einen Fahrtmesser der 30 er Jahre an ein Testgerät an, und das Instrument zeigt, nachdem ein paar Dichtungen ausgewechselt wurden nahezu fehlerfrei an. Der größte Unterschied für mich ist, dass es heute kaum noch Ersatzteile gibt. Und wenn doch ein Teil gefunden ist, dann sind enorme Anstrengungen notwendig, diese Teile durch diverse Testverfahren wieder in einen Zustand zu versetzen, die einer Zertifizierung nach dem heutigen Regelwerk zulassen. Hierfür sind mitunter unzählige Arbeitsschritte notwendig, und man erfährt häufig erst nach den letzten Schritten, ob die Anstrengungen von Erfolg gekrönt waren. Nach der Korrosions- und Rissprüfung kommen viele Teile oftmals gar nicht mehr in die weitere Bearbeitung. // Auf welche Details muss man bei der Arbeit an historischen Flugzeugen besonders Wert legen? Es ist nahezu jedes noch so kleine Detail wichtig. Aufgrund der Vielzahl von Varianten der einzelnen Flugzeugtypen ist es oft das „kleine“ Detail bei dem großen Puzzle der Ersatzteile, was den entscheidenden Tipp bei der Instandsetzung gibt. Hier arbeitet das Team mit diversen Spezialisten zusammen. Jeder Tipp ist willkommen! Oftmals werden wir auch auf Airshows von Liebhabern der Technik angesprochen, die Erbstücke dem Team übergeben möchten. Diese Unterlagen und Ersatzteile helfen uns sehr. Um zum Beispiel die 1945 und danach verlorengegangenen Unterlagen wieder zu vervollständigen, greifen wir auf diverse Datenbanken zurück. Besonders erwähnen möchte ich hier Herrn Oliver Jordan in Berlin, der uns durch sein Fachwissen bereits sehr geholfen hat. // Welche Fragen werden Ihnen am meisten auf Flugtagen gestellt? Die Fragen der Interessenten sind sehr unterschiedlich. Vom absoluten Kenner bis hin zum Luftfahrtlaien ist alles dabei. Wir versuchen als Techniker und Piloten alle Fragen so gut es geht zu beantworten. Viele Besucher wollen beispielsweise wissen, ob in der Me262 noch die originalen Triebwerke verbaut sind, oder ob die Instrumentierung in den Maschinen auch noch original ist. Es gibt aber auch sehr viele Besucher, denen wir im Laufe von Gesprächen Fragen stellen können, weil sie sich als wahre Spezialisten in manchen Themengebieten erweisen. Das hilft uns oftmals sehr! Die öffentlichen Flugtage sind für das gesamte Team immer sehr lehrreich und interessant. // Gibt es überhaupt noch Unterlagen für die Technik der „alten“ Maschinen? Oh ja, die gibt es! Wie schon erwähnt, sind wir an allen „Spenden“ von Unterlagen sehr interessiert und dankbar, die sich sehr häufig im Privatbesitz befinden. Weiterhin gibt es neben diversen Internetplattformen auch das Luftfahrt-Archiv Hafner, dass mit uns sehr eng zusammenarbeitet und uns immer wieder freundlich unterstützt. // Unterscheiden sich die heutigen Checklisten von denen, die damals zur Anwendung kamen? Das kann man sehr deutlich bejahen. Der Begriff Checkliste wurde ja mehr oder weniger erst nach dem 2. Weltkrieg durch die Amerikaner in der deutschen Luftfahrt verankert. Checklisten hielten nahezu in jedem Bereich der Luftfahrt Einzug. Zwar war damals die Dokumentation sehr detailliert, hingegen der konsequente Umgang mit Checklisten fand in der damaligen Zeit noch keine Anwendung. Unzählige Unfälle der Vergangenheit, wo der Umgang mit Checklisten ausblieb, bestärkt die heutigen Crews und Techniker darin, eben die Arbeit mit den Checklisten nicht als bloßes „Übel“ abzutun, sondern konsequent im fliegerischen und technischen Bereich anzuwenden. // Arbeiten Sie lieber an den Jets oder den Kolbenmaschinen? Durch meine Arbeit als Pilot auf großen Düsenflugzeugen bin ich natürlich eher an der Technik der alten Propeller Maschinen interessiert. Ich schaue besonders gerne meinen Kollegen bei den Arbeiten an unseren DB605 über die Schultern.

Wir danken Ihnen für dieses Interview! Das Interview führte Volker Radon.
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Felix Döllefeld erläutert die Restaurierung des Cockpits der Me 108
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Das fliegende Museum

FLUGMUSEUM MESSERSCHMITT Das fliegende Museum
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