FAKTEN

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Name Herbert Hauser // Jahrgang 1940. // Früherer Beruf Leiter Techn. Planung und Controlling. // Tätigkeit im Flugmuseum Messerschmitt Besucherbetreuung.

INTERVIEW

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Welche Aufgaben haben Sie im Betrieb des Flugmuseum Messerschmitt übernommen? Einfach ausgedrückt führe ich Besucher durch das Museum und sorge dafür, dass sich alle wohlfühlen. Technisch ausgedrückt ist es die gesamtheitliche ablauforganisatorische Abwicklung von Besuchern – das können Einzelpersonen, Gruppen von Luftfahrtinteressierten, Teilnehmer aus Fachtagungen und VIP’s sein. Man könnte mich also auch als „Botschafter des Flugmuseums“ bezeichnen. // Wie kamen sie zu ihrer Aufgabe im Flugmuseum Messerschmitt? Sicher war meine 40-jährige Erfahrung im Bereich Instandhaltung und Endmontage von militärischen Luftfahrzeugen von Nutzen. Darüber hinaus verfüge ich über umfassende Kenntnisse der Historie des Standortes Manching. Dieses „know how“ wurde offensichtlich von der Leitung des Flugmuseums geschätzt. Deshalb bin ich seit 2007 für die Besucherbetreuung im Flugmuseum Messerschmitt - mit viel Freude - zuständig. // Was macht für Sie den Reiz aus, im Flugmuseum Messerschmitt zu arbeiten? Der Reiz ist in erster Linie in dem ausgeprägten Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb der Branche auszumachen. Dann gibt es da noch diese „Aura“, die zwischen der heutigen Entwicklung und den Anfängen der Luftfahrt spürbar ist. Mein neugieriges Wesen möchte den Pioniergeist jener Zeit verstehen, deshalb ist es für mich etwas Besonderes ein Teil des Flugmuseum Messerschmitt zu sein. // Was halten Sie von den Ingenieurleistungen, die von den 20er bis 50er Jahre vollbracht wurden? Es ist wie eine Entdeckungsreise. Immer wieder wird man mit technischen Details konfrontiert, in der die genialen Ingenieurleistungen begreifbar werden. In solchen Momenten weiß man diese Pioniere der Luftfahrt zu würdigen. Ein besonderes Beispiel dafür ist der DB–Motor aus der 600er Baureihe. Oder nehmen Sie die ausgeklügelten Funktionen in der Flugzeug-Aerodynamik: Vorflügel, Propellersteuerung etc. // Wie unterscheiden sich die Technikerarbeiten bei den modernen Maschinen von denen der Messerschmitt Flugzeuge? Entscheidend für die unterschiedlichen Arbeitsmethoden ist die zum jeweiligen Betrachtungszeitpunkt verfügbare Technik und Technologie, basierend auf der Auslegung bzw. der Anforderungsprofile von Laufzeiten der 30er Jahre versus der Neuzeit. Die Arbeiten an den Traditionsflugzeugen haben daher einen sehr hohen Anteil an manuellen Tätigkeiten, wie z.B. Struktur- Ausrüstungsmontagen, Justier- Einstellungen bei Tests etc. Der Automatisierungsgrad bei Funktiontests ist aufgrund der zu dieser Zeit eingesetzten Fertigungshilfsmittel relativ niedrig anzusehen. Die Anteile Montage: Teil-Automatisierter Abläufe schätze ich auf ca. 75% zu 25%. Die Arbeitsmethoden im modernen Flugzeugbau werden durch den progressiv verlaufenden Fortschritt in den Bereichen Werkstoffe, Fertigungs- und Prüfverfahren, verbunden mit zunehmender Digitalisierung in der Fertigungstechnologie bis hin zu vollautomatisierten Prozessen bei komplexen Prüf-und Testabläufen, bestimmt. Die Folge davon ist eine Umkehrung des Verhältnisses von Montage und Automatisierung ca. 20% zu 80%, wobei der Perfektionsgrad der Automatisierung idealisiert ist. // Auf welche Details legen Sie bei Ihrer Arbeit - Führungen im Kontext historischer Flugzeuge - besonderen Wert? Wichtig ist das Heranführen der Besucher in jene Epoche, in der die Flugzeugkonstrukteure Luftfahrtgeschichte maßgeblich geprägt haben. In unserem Fall liegt der Schwerpunkt selbstredend auf den Leistungen von Willy Messerschmitt. Es geht um das Verständnis des Traditionsgedankens im Gesamt-Unternehmen. Die Bedeutung der Messerschmitt Stiftung im Kooperationsmodell mit der Airbus Group. Und dann geht es natürlich um das Leistungsspektrum von Willy Messerschmitt. Von 45.000 gebauten Flugzeugen gibt es heute nur 8 flugfähige Exponate. Damit haben wir Einzigartiges zu bieten. Die Vorstellung der einzelnen Exponate gewinnt dadurch eine besondere Qualität. Hierzu gehören u.a. Informationen zur Serienfertigung und Historie der Exponate. Technische Daten, Funktionsweisen, Konstruktionsmerkmale etc. Die hohe Qualifikation der Instandhaltungs- und Wartungs-Crew kann nicht genug hervorgehoben werden. Die Crew ist mit den damaligen Arbeitstechniken und heutigem Qualitätsstandard vertraut. Nicht zuletzt ist die Teilnahme an Airshows ein Thema auf das ich gerne hinweise. // Welche Fragen werden Ihnen häufig gestellt? Spezifische Fragen zur Technik, insbesondere zum Motor DB 605. „Können Foto’s mit Personen im Cockpit gemacht werden?“ - „Wann kann man die Flugzeuge im Flug sehen?“ - „Haben sie Literatur zu Willy Messerschmitt?“ - „Haben sie eine Web-Site?“ - „Warum gibt es eingeschränkte Besuchszeiten?“ // Gibt es überhaupt noch Unterlagen für die Technik und Fliegerei der „alten“ Maschinen? Wartungs- und Flughandbücher sind weitestgehend verfügbar. Zeichnungssätze meines Wissens nur bedingt. // Wie viele Besucher führen sie pro Jahr durch das Museum? Ca. 4000 Besucher. // Dürfen Besucher im Museum fotografieren? Ja, jedoch nur für privaten Gebrauch. Für kommerzielle Zwecke ist eine besondere Genehmigung erforderlich.

Wir danken Ihnen für dieses Interview! Das Interview führte Volker Radon.
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Das fliegende Museum

FLUGMUSEUM MESSERSCHMITT Das fliegende Museum
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